27.06.2024, Handball, Autor: Matthias Daus

Ein Kümmerer in vielen Belangen

Den Breitensport als Basis für Freundschaft, ein gesundes Miteinander und Talentschmiede: Das ist es, was Norbert Kühnlein als Vorsitzenden der Handballabteilung des TV Sottrum antreibt. Dass das Ganze mit viel Arbeit verbunden ist, überrascht nicht.

Sottrum – Norbert Kühnlein war für sieben Jahre der erste Vorsitzende der Handballabteilung, hat schon verschiedenste Mannschaften innerhalb der Abteilung trainiert und hat nach einer mehrjährigen Pause nun wieder den Vorsitz übernommen. Aber auch als Trainer für die 2. Herren und die Damenmannschaft, sowie als Organisator für die Teilnahme an Veranstaltungen, wie einem Beachhandballturnier in Cuxhaven und als Kümmerer in vielen Belangen ist er dort aktiv. Viel Einsatz für jemanden, der nicht einmal aus Sottrum stammt, sondern eigentlich in Nürnberg lebte. „Über den Handball habe ich 1994 meine Frau kennengelernt, die mit dem TV Sottrum an einem Turnier in Zwingenberg in der Nähe von Frankfurt teilgenommen hatte“, erinnert sich der 53-Jährige. Das Paar hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter.


Die offene Mentalität der Sottrumer Mannschaften beeindruckten den gelernten Immobilienmakler damals nachhaltig und auch wenn seine Frau zunächst in seine Region zog, war klar, dass sie irgendwann gen Norden ziehen würden. 2005 war es dann so weit, die Kühnleins zogen nach Sottrum.


Kühnlein ist Vollbluthandballer, sei es auf der Trainerbank, im Vorstand oder als Spieler. Zu seinen aktiven Zeiten hatte er es bis in die 2. Bundesliga in Erlangen geschafft, aber Verletzungen zwangen ihn dazu, seine aktive Laufbahn auf diesem Niveau zu beenden. Zwar hatte er recht früh eine Trainerlizenz erworben, aber für ehrenamtliche Tätigkeiten fehlte ihm in der hohen Spielklasse schlichtweg die Zeit. „Meine Jugendtrainer haben mich geprägt und mir gezeigt, was alles hinter einer funktionierenden Handballabteilung steckt“, erläutert er die Grundlagen für sein ehrenamtliches Engagement. Mit dem TV Sottrum fand er einen Verein, für den er sich einbringen wollte. Zunächst als Trainer für die „Minis“ bei denen sein Sohn seinerzeit die ersten Schritte in Sachen Handballsport machte. Die Struktur in einem ländlichen Verein wie Sottrum war komplett anders als das, was er in seiner aktiven Zeit kennenlernte. Eine Seite, die er sofort zu schätzen wusste. „Wenn man bedenkt, dass ich damals als völlig Fremder hierherkam, ist es erstaunlich, wie schnell man hier akzeptiert wurde, wie offen und freundlich“, erinnert er sich. Im Laufe der Zeit erweiterte sich sein Engagement und neben einer weiblichen Jugendmannschaft übernahm er auch das Traineramt der ersten Herren.


Sein Credo war und ist, dass man, besonders im Jugendbereich, Angehörige mit ins Boot nehmen muss. Einerseits, um die Arbeiten, wie Fahrdienste und dergleichen, auf viele Schultern zu verteilen und andererseits, um eine Einheit, eine Basis zu schaffen, die zu dieser Sportart steht. Sein enormer Einsatz blieb nicht verborgen und so war es fast folgerichtig, dass er das Amt des Vorsitzenden übernehmen würde.


Jugendarbeit lebt durch Angehörige


In dieser Position konnte er sich der Basisarbeit widmen. „Aber wenn ich nicht ein super Team um mich gehabt hätte, wäre es mir nicht möglich gewesen, das alles zu stemmen“, sagt Kühnlein. Neben dem alltäglichen Geschäft kommt ab September mit der Regionsreform ein Problem besonderer Güte auf den TV Sottrum zu. Einfach erklärt: Der TV Sottrum gehörte eigentlich schon immer zum Bezirk Lüneburg. Aber weil der Verdener Verband mit seinen Mannschaften geografisch deutlich näher liegt, war es eine Vernunftentscheidung, die Sottrumer dort spielen zu lassen. Die kurzen Anfahrtswege bei Auswärtsspielen waren das schlagende Argument. Das aktuelle Problem ist, dass die Region Lüneburg mehr Mannschaften braucht, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und man deswegen auch Vereine wieder mit ins Boot holt, die wie Sottrum im Grenzbereich liegen. So geht es dann nicht mehr in Richtung Verden, Achim und umzu, sondern ins Alte Land und in weitere Regionen.


Ein Paradebeispiel ist die männliche A-Jugend, die künftig in der Landesliga spielen soll, obwohl die sportliche Qualifikation nicht zwingend gegeben ist. Paradoxerweise müsste man aber in der eigentlichen Spielklasse bis weit hinter Lüneburg fahren. Auch finanziell kommen deswegen jetzt härtere Zeiten auf die Sottrumer zu, was die Sachlage weiter erschwert. „Noch im Dezember dachte ich, dass hier alles auseinanderbricht. Es ist schwer vermittelbar, dass wir gerade auch den Kindermannschaften stundenlange Autofahrten zumuten.“ Für die nächste Saison ist das alles nicht mehr abzuwenden, aber Kühnlein sammelt schon Argumente für Anträge zur Saison 2025/26, um in den angestammten Bereich zurückzukehren. „Ich habe viele Telefonate geführt, manchmal wurde ich abends um 22 Uhr angerufen, ich habe viele Mails geschrieben, aber noch konnte ich keinen Erfolg erringen.“


Enorm viel Einsatz, um den Handball als Breitensport anzubieten. „Wenn eine Mannschaft sich für höhere Aufgaben qualifiziert und weite Reisen auf sich nimmt, dann ist das gewollt. Aber es geht um diejenigen, die diesen Sport als Hobby betreiben, die sich mit Freunden treffen und spielen wollen“, sagt Kühnlein. „Das sind die Leute an der Basis, ohne die ein Landesverband, eine Bundesliga nicht denkbar ist. Für sie muss und will ich mich einsetzen, das ist das, was ich als Auftrag für meine Position im Verein sehe.“ Es bleibt zu hoffen, dass irgendwann die Vernunft siegt und Sottrum wieder in bekannten Gefilden spielt.


Quelle: www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/sottrum-ort58094/ein-kuemmerer-in-vielen-belangen-norbert-kuehnlein-vom-tv-sottrum-93155253.html